Der neue Flügel wartet in Verden

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Chöre von St. Willehadi proben mit Keyboard, weil das alte Piano längst seine Klangfülle verloren hat

Presseartikel

„Ehre sei Gott“ und „Tochter Zion“ tönt es vielstimmig im großen Saal des St. Willehadi-Gemeindehauses. Etwa 50 Mitglieder der im September gegründeten Senioren-Kantorei sind an diesem Vormittag zur Chorprobe gekommen. Die Damen und Herren im Alter zwischen 55 und 85 Jahren sind begeisterte Choristen. Dörthe Graue beschreibt es treffend: „Gesang durchflutet uns. Das Singen beglückt und erfüllt uns, und wir gehen jedes Mal gestärkt und frohgemut wieder nach Hause.“ Unter den Chormitgliedern ist auch Bärbel Uttecht, die schon seit 60 Jahren im Chor singt. Angefangen hat sie im Kinderchor bei Fräulein Wendeburg. Dr. Christopher Schlage aus Ritterhude hat bereits als Student gesungen. Und Ria Kühl behauptet: „Ich möchte singen bis ich sterbe.“

Noch probt die Senioren-Kantorei unter der Leitung von Caroline Schneider-Kuhn ohne Flügel.

Diese gesangsfreudige Gemeinschaft hat schon in so manchem Konzert mitgewirkt. Singen ist für sie die Grundstimmung des Lebens. Die Mitglieder der Senioren-Kantorei kommen aus einem größeren Umkreis von Beverstedt über Worpswede und Ritterhude bis nach Osterholz-Scharmbeck. Gemeinsam mit der Scharmbecker Kantorei bildeten die Senioren einen Pool an erfahrenen Sängern, die verlässlich seien und auf die man jederzeit zurückgreifen könne, erklärt die engagierte Kirchenkreis-Kantorin Caroline Schneider-Kuhn. Die Senioren-Kantorei sei durchaus kein „Kaffee-Klatsch für ältere Frauen“, auch die männlichen Stimmen seien überraschend gut besetzt, berichtet sie. Die Kirchenmusikerin versteht es, die Chorsänger zu motivieren und zu guten, „präzisen“ Leistungen zu führen.

Auch an diesem Vormittag begleitete Schneider-Kuhn die Senioren-Kantorei im Gemeindesaal. Dabei spielte sie auf einem Keyboard. Stimmlicher Wohlklang mit elektronischen Tonelementen – das will allerdings gar nicht so recht zueinander passen. Das weiß auch die Kantorin. „Wir sammeln schon seit geraumer Zeit Geld und suchen nach einem neuen Flügel“, sagt sie.

Sammlung vor dem Abschluss

Der alte Flügel, ein Instrument der Firma Rachals, steht verwaist in der Ecke des Raumes. Er ist über hundert Jahre alt. Die Tasten sind abgegriffen, das Holz ausgeblichen. In Ehren alt geworden, hat er im Laufe der Jahre seine Klangfülle verloren. Die Saiten klirren und geben nur dumpfe Töne von sich. Das greise Stück lässt sich nicht mehr stimmen. „Uns ist schon seit langem klar, dass er entsorgt werden muss“, erklärt Schneider-Kuhn. Schließlich ist der Flügel ein wichtiges Trainingsinstrument für die etwa 175 Sängerinnen und Sänger, die regelmäßig im Gemeindesaal proben. Der 45-köpfige Kinderchor, die Kantorei mit 80 Mitgliedern und neuerlich die Senioren-Kantorei mit 50 Choristen. Seit Jahren rührt die Kirchenmusik von St. Willehadi die Werbetrommel und sammelt Spenden, um die finanziellen Mittel für einen Neukauf zusammenzukriegen, berichtet Caroline Schneider-Kuhn. Pastor Glaser imkert und verkauft seinen Honig zugunsten eines neuen Flügels. Die Eltern des Kinderchores haben gespendet, aber auch die Mitglieder der Kantorei. „Wir stehen im Prinzip kurz davor, die Summe für eine neues Instrument beisammen zu haben“, freut sich die Kantorin. Der letzte Rest fehle allerdings noch. Wer den Kauf unterstützen möchte, kann sich an die Kirchenmusikerin wenden. Beim Klavierhaus Helmich in Verden steht der Yamaha-Flügel schon bereit.

„Wir freuen uns schon aufs neue Jahr. Im Frühjahr soll das neue Instrument kommen, ein mittelgroßer Flügel, 1,78 Meter lang und mit einem warmen Klang ausgestattet“, schwärmt sie.

Osterholzer Kreiszeitung , Peter Otto vom 30.12.2015

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