Musikalische Literatur

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Neues bei HelmicH

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An dieser Stelle haben wir eine neue Rubrik auf unserer Homepage eröffnet. Musik und Literatur sind schon immer unsere Leidenschaften. So sind für uns Romane, Erzählungen, Biografien, in denen die Musik oder Musiker eine besondere Rolle spielen, besonders spannend. Unser Freund Uwe Spannhake teilt mit uns dieses Interesse. Er stellt in lockerer Reihenfolge Bücher vor. Freuen Sie sich auf die neue Buchbesprechung bei uns.

Rosemarie Marschner: „Das Mädchen am Klavier“

Literaturtipps

Uwe Spannhake

 Februar 2018

Rosemarie Marschner: „Das Mädchen am Klavier“

Es ist schon eine ganze Zeit her, dass Sie auf dieser Seite eine Buchbesprechung von mir lesen konnten. Mir fiel einfach kein geeignetes Buch in die Hände.

Bei diesem Buch hingegen entstand mein Wunsch zur Besprechung schon nach wenigen Seiten der Lektüre. Es werden darin die ersten beiden Jahrzehnte des Lebens von Clara Wieck (später Schumann) erzählt - spannend, lebendig, einfühlsam. Ihr Vater Friedrich setzte seinen ganzen Ehrgeiz in die pianistische Ausbildung seiner Tochter Clara, sie bekam nur eine elementare Schulbildung, ging schon mit sehr jungen Jahren auf Konzertreisen, ordnete ihr Leben vollständig den Ansprüchen des strengen Vaters unter. Schon mit zwölf Jahren verzauberte sie das Pariser Publikum, dies immerhin in Konkurrenz zu den bewunderten Pianisten ihrer Zeit: Liszt, Chopin, Mendelssohn.

Ständige lautstarke Streitereien im Elternhaus und der beinahe tyrannisch strenge Vater, den Clara jedoch über alles liebte, führten dazu, dass Clara bis kurz vor ihrem fünften Geburtstag nicht sprach. Sie fing damit erst an, als sie aufgrund des Scheiterns der elterlichen Ehe einen ganzen Sommer lang mit ihrer Mutter bei den Großeltern in Plauen verbrachte. „Wie schön es war, so liebevoll begrüßt zu werden! Nie würde sie vergessen, wie alle sie anlachten und sie sich im Nachthemd dazu setzen durfte…es war wunderbar, sich einfach an die Großmutter zu schmiegen und am Vormittag dann mit der Mutter am Klavier zu sitzen, den Körper ohne die Rüstung aus Gestänge und Bändern, die Finger frei und unbehindert….Das ernste Kind Clara konnte gar nicht mehr aufhören zu lächeln.“ (Die „Rüstung“ gehörte übrigens zur Wieckschen Klavierausbildungsmethode.)

Die Strenge des Vaters bekam auch der junge Robert Schumann zu spüren, als er sich als Klavierschüler bei Friedrich Wieck bewarb. Wieck rief seine 15-jährige Clara, um dem 10 Jahre älteren Schumann zu zeigen, wie sich ein Klavierspiel seiner Meinung nach anzuhören hätte. Schumanns Kommentar: „Ihre Tochter spielt wie ein Husar.“ Darauf Wieck: „ Und Sie spielen wie ein Häschen: sanft und gemütvoll.“ Zunächst war Schumann jedoch bereit, sich den Ansprüchen von Wieck zu unterwerfen, versprach „von nun an jeden Tag mindestens zwei Stunden durch die Gegend zu wandern, schnell, ganz schnell. So schnell, wie es seine Hilfslehrerin Clara bestimmen würde.“ Clara war es nämlich „in Fleisch und Blut übergegangen, dass der Mensch frische Luft brauchte, um zu funktionieren. Frische Luft und Bewegung…, zwischendurch immer wieder Dehnübungen und kontrolliertes Atmen.“

Wieck lehnte die aufkommende Begeisterung für die Romantik im Klavierspiel generell ab. Als er Mendelssohn zum ersten Mal hörte, erkannte Wieck das große Können, trotzdem „ hatte er den Eindruck gehabt, es käme jenem vor allem auf Inbrunst an, auf Leidenschaft und Gefühl“ und „…dass sich der junge Mensch da oben auf der Bühne von seinen Emotionen fortreißen ließ und dabei Töne verwischte.“

So verwundert es nicht, dass Wieck sich viele Jahre äußerst energisch gegen die entstehende Liebe zwischen Clara und Robert Schumann wendete und auch mit Enterbung drohte.

Rosemarie Marschner versteht es sehr gut, die Entwicklung, die heimlichen Treffen, die teilweise jahrelangen Trennungen der beiden mit (nur) regen Briefwechseln so zu erzählen, dass man als Leser mitleiden muss: „Noch am nächsten Morgen erinnerte sie sich an ihre Träume und versuchte, nicht an die Enttäuschung zu denken, weil sich die große Liebe immer nur auf dem Papier abspielte und die überwältigende Leidenschaft nur ein Wort war, das in der Realität keine Erfüllung fand.“

Interessant auch die ausführlich beschriebene Emanzipation Claras, die immer eigenständiger und selbstbewusster wird und manchmal sogar ins Zweifeln gerät, ob ihr Robert Schumann genug Freiräume für ihre Konzerttätigkeiten lassen würde.

 Clara wurde vom Vater nicht mehr ins Haus gelassen, jahrelang verkehrten die beiden nur über Anwälte, denn Clara und Robert versuchten auf diese Weise, die erforderliche Zustimmung des Vaters zur Heirat vor Claras 21. Geburtstag zu ersetzen. Bei der angesetzten Gerichtsverhandlung erhob Wieck schwere Vorwürfe, dass Schumann „ seine `Neue Zeitschrift für Musik` mit so viel Trägheit und Eigendünkel führe, dass eine Pleite nur noch eine Frage der Zeit sei. Schumann sei ein Trinker ohne jede höhere Erziehung und werde deshalb von der menschlichen Gesellschaft gemieden. Er habe eine mystisch träumerische Wesensart, die man nur fürchten könne.“

Das Gericht ersetzte die Zustimmung des Vaters, für die Hochzeit wurde der 12. September 1840 gewählt- einen Tag vor Claras 21. Geburtstag.

Im Nachwort erfährt man dann: „Die schwierige Ehe von Robert und Clara Schumann währte sechzehn Jahre. Ihr entsprangen acht Kinder.“ Diese Geschichte müsste man dann allerdings in einem anderen Buch nachlesen.

 

Und falls Sie generell weiteren Lesebedarf haben, könnten Sie es auch mit meinem eigenen ersten Buch „Aus dem Leben“ versuchen, bestellbar in jeder Buchhandlung zum Preis von 9,50 €. Für eine erste Information geben Sie z.B. bei amazon meinen Namen und den Buchtitel ein oder benutzen diesen Link:

„Aus dem Leben“ von Uwe Spannhake

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